MiTo: Wie mich ein Alfa Romeo auf den Geschmack brachte

MiTo Spritz

Auf der Karte einer Bar in Como, direkt am See, ist er zwischen den Aperitivi gestanden: MiTo. Ich hatte erstmal keine Ahnung, was ich da bestellen soll. MiTo? Meine erste Assoziation ist ein Auto gewesen – der kleine Alfa Romeo Mito, den es vor einigen Jahren gegeben hat. Und tatsächlich: Das Kürzel steht dort für genau dasselbe wie im Glas. Milano-Torino. Nur dass mir die Bar in Como keinen Kleinwagen serviert hat, sondern einen der ältesten Cocktails Italiens.

Was ist drin?

Kurz gesagt: sehr wenig. Ein MiTo besteht nur aus Campari und süßem Wermut (z.B. Martini rosso), sonst nichts – kein Soda, kein Gin, keine Verlängerung. Das macht ihn intensiv: bitter, süß, ohne Umwege.

Woher kommt der Name?

Milano-Torino, weil beide Zutaten aus genau diesen Städten stammen: Campari ist um 1860 in Mailand von Gaspare Campari erfunden worden, kurz nachdem er dort seine Bar eröffnet hat. Der süße Wermut wiederum kommt traditionell aus Turin, wo Hersteller wie Cinzano und Martini ihre Wurzeln haben. Zwei Städte, zwei Zutaten, ein Name – so einfach ist das damals mit dem Marketing gewesen.

Und wie wurde daraus der Negroni?

Das ist die bekanntere Geschichte. 1919 soll Graf Camillo Negroni in einer Bar in Florenz seinen Americano (dazu gleich mehr) nicht mit Soda, sondern mit Gin bestellt haben. Der Barkeeper Fosco Scarselli hat ihm die stärkere Version mit einer Scheibe Orange statt Zitrone serviert, damit man den Unterschied auch gesehen hat. Der Name ist am Gast hängengeblieben: Negroni. Im Grunde ist er also nichts anderes als ein MiTo mit einem Schuss Gin – zu gleichen Teilen Campari, Gin und Wermut, gerührt auf Eis.

Wer den Gin stattdessen versehentlich durch Prosecco ersetzt, landet übrigens beim Negroni Sbagliato – passiert 1972 einem Barkeeper in Mailand, geblieben ist er bis heute.

Und der Americano?

Der Americano ist der große Bruder: gleiche Basis wie der MiTo, nur mit Soda aufgefüllt und im höheren Glas serviert. Das macht ihn leichter, länger, besser geeignet für einen ganzen Nachmittag auf der Terrasse. Seinen Namen hat er übrigens erst in den 1920ern bekommen – angeblich, weil ihn amerikanische Besucher in Italien so gern bestellt haben, viele davon während der Prohibition, als es sie scharenweise über den Atlantik gezogen hat. Bekannt geworden ist er später sogar durch James Bond: In "Casino Royale" trinkt er einen Americano, lange bevor der Martini geschüttelt, nicht gerührt, seinen Auftritt hat. MiTo, Negroni, Americano – drei Cocktails, eine Familie, ein Grundrezept mit drei Variationen.

Die Idee am See

Während ich meinen MiTo in Como getrunken habe, ist mir eine einfache Idee gekommen: Das müsste sich doch hervorragend als Spritz eignen. Die Bitterkeit ist da, die Süße ist da – es fehlt nur die Verlängerung und Leichtigkeit. Zurück daheim habe ich es ausprobiert: Campari und Martini rosso wie beim Original, aufgefüllt mit Sprudelwasser und Prosecco. Kein Aperol, kein Gin, nur die klassische MiTo-Basis, leichter gemacht.

Das Ergebnis war perfekt: ein MiTo Spritz, spritzig statt wuchtig, nicht nur ein Aperol-Spritz-Klon. Eine wunderbare Alternative für alle, die den MiTo mögen, aber nicht jedes Mal die volle Dröhnung wollen – und der Beweis, dass man aus einem 160 Jahre alten Rezept immer noch etwas Neues machen kann.