Der Grenopolitan: Wie ein Griff daneben ein neues Lieblingsrezept hervorbrachte

Der Grenopolitan ist erfunden

Manche Cocktails werden hochkomplex entwickelt oder haben historische Entstehungsgeschichten, die Bücher füllen. Dieser hier nicht. Der Grenopolitan ist entstanden, weil ich zur falschen Flasche gegriffen habe — das ist alles.

Eigentlich sollte es ein Cointreaupolitan werden

Der Plan war: Meine Gäste sollten einen Cointreaupolitan bekommen, die Cointreau-Variante des klassischen Cosmopolitan. Ein unkomplizierter, eleganter Drink, der zur guten Hälfte aus Likör besteht: Cointreau als Basis, dazu Limettensaft für die Säure und Cranberrysaft für Farbe und die leicht herbe Frucht. Rosa im Glas, eigentlich immer ein gelungener Auftakt.

So weit die Theorie.

Cranberry, Grenadine — klingt fast gleich, sieht fast gleich aus

Und dann passiert beim Mixen, was beim Mixen eben passiert. Rote Flasche, ähnlicher Name, sieht ähnlich aus — und schon landet statt des Cranberrynektars die Grenadine im Glas. Kann schon mal vorkommen. Gemerkt habe ich es natürlich nicht vorher. Gemerkt habe ich es erst hinterher, als die Gläser längst leer waren.

Das Interessanteste dabei kam von meinen Gästen: Die Version mit Grenadine hat ihnen besser geschmeckt als das Original. Nicht „höflich-besser", sondern „nachschenken-besser".

Der Grenopolitan ist erfunden

Damit war die Sache entschieden. Der Drink hatte sich seinen eigenen Namen praktisch selbst gegeben. Wegen der Grenadine wurde er zum Grenopolitan, und seitdem serviere ich ihn immer wieder.

Ein Detail ist beim Nachmixen wichtig, und das macht den Unterschied zwischen „schmeckt" und „viel zu süß": Grenadine ist ja ein Sirup, kein Saft. Du nimmst also deutlich weniger davon als vorher vom Cranberrynektar: nur einen kleinen Teil, dazu ein bisschen Wasser, um die Menge im Glas zu halten. Das Wasser schadet nicht, im Gegenteil: Weil der Cocktail zur Hälfte aus Likör besteht, kann er die kleine Verdünnung locker verkraften.

Wann er passt

Das Ergebnis: fruchtig, klar, mit dieser typischen Grenadine-Süße, die von Limette und Cointreau in Schach gehalten wird. Ein Drink, ideal als Sommeraperitif. Am Nachmittag auf dem Balkon genauso wie am Abend als Einstieg, bevor es richtig losgeht.

Hier der Link zu meinem Grenopolitan-Rezept.